Im neuen Jahr

 

Hallo, nachdem ich meinen Urlaub beendet habe und der Alltag mich wieder eingeholt hat, möchte ich meinen Blog auf den neuesten Stand bringen. Dies ist insofern etwas schwieriger, da mein Handy kaputt ist und ich es in Solwezi nicht repariert bekomme. Die hiesigen Handygeschäfte bieten lediglich an,  das Handy zu einer Filiale zu schicken, dabei müsste ich mit einer Bearbeitungszeit von 1-3 Monaten rechnen. Zum Glück fahre ich aber in etwa zwei Wochen zu meinem Zwischenseminar in Lusaka. Ich hoffe, dass ich dort mein Handy repariert bekomme.  Jedenfalls kann ich deshalb keine aktuellen Bilder in den Blog einbinden.

Urlaub:

Mitte Dezember war es endlich so weit, endlich Schulferien, endlich Urlaub. Die Arbeit macht mir zwar immer noch viel Freude, dennoch war es sehr schön Urlaub zu haben.

Ich nutzte meinen Urlaub um nach Lusaka, Livingstone und Kitwe zu fahren.

Während meiner Besuche in Lusaka schlief ich wieder im Cheshire Home Chawama, wo meine Mitfreiwilligen Marvin und Mattis arbeiten. Ich habe dort die Gelegenheit genutzt, zusammen mit den Beiden das Nationalmuseum zu besuchen. Dort lernte ich sehr viel über die Geschichte Sambias und das Leben in den Villages. Außerdem lernte ich wie man Nsolo spielt, ein klassisches sambisches Spiel.IMG-20171226-WA0003

Darüber hinaus konnte ich Marvin und Mattis etwas bei ihrer Arbeit helfen und habe viel gelesen und geschlafen. Außerdem besuchte ich verschiedene Märkte.

Schließlich ging es für mich weiter nach Livingstone im Süden Sambias, nahe Botswana . In Livingstone sah ich die Victoriafalls und war sehr beeindruckt von den Wassermassen. Viele Sambier bevorzugen es aber, wenn man die Falls bei ihren ursprünglichen Namen (Mosi-oa-tunya) nennt. Das bedeutet übersetzt „Der Rauch der donnert“, und das tut er auch tatsächlich. Aufgrund der Wassermassen bildet sich eine Art Sprühnebel aus Wasser, der aussieht wie Rauch und die Fälle sind aus der Nähe sehr laut.

IMG-20171225-WA0007Außerdem schätzen die Einheimischen es nicht, dass David Livingstone als „Entdecker der Victoriafalls“ angesehen wird, schließlich gibt es die Falls ja schon sehr lange und die in der Nähe lebenden Menschen haben Sie natürlich schon lange gekannt.

Doch nicht nur die Wasserfälle dort sind sehenswert. Aufgrund des vielen Wassers gibt es dort auch eine beeindruckende Vegetation, die mich ein bisschen an den Regenwald erinnert hat. Man muss nur aufpassen, dass die Affen dort einem nicht die Taschen stehlen. Man sollte kein Essen offen tragen und auch keine Plastiktüte vom Shoprite (Supermarkt), da die Affen gelernt haben, dass in diesen Tüten meist Essen ist.

Besonders schön waren eine Kanusafari  und eine Sunset Cruise (Schifffahrt auf dem Sambesi in den Sonnenuntergang hinein) während meines Aufenthalts in Livingstone.

Auf der Kanusafari sah ich sehr viele Nilpferde und Vögel, die größeren Landtiere wie Elefanten und Giraffen sind um diese Jahreszeit aber leider eher im Inland zu finden.

Dafür hat das Kanufahren aber richtig Spaß gemacht und auf der Sunset Cruise sah ich nochmal ganz viele Nilpferde und sogar ein Krokodil und nicht zu vergessen einen wunderschönen Sonnenuntergang.

Ansonsten habe ich auch die Zeit in Livingstone viel zur Entspannung genutzt und mich mit meiner Mitfreiwilligen Helene, die in Livingstone arbeitet, ausgetauscht.

Weihnachten und Silvester lagen in meiner Zeit in Livingstone. An Weihnachten wurde ich von den Schwestern, die das Cheshire Home in Livingstone leiten, in welchem Helene arbeitet, zum Singen von Weihnachtsliedern und zum Weihnachtsessen eingeladen. Ich bekam sogar ein Chitenge (Wickelrock) geschenkt. Anschließend fuhren wir alle gemeinsam zur Christmette. Diese war vom Ablauf ähnlich wie bei uns in Deutschland, nur dass das Krippenspiel vor der Messe stattfand, ganz andere Lieder gesungen wurden und der Chor viel getanzt hat. Die Kirche war auch schön geschmückt und es gab eine Krippe. Alles in allem war mein erstes Weihnachten an dem ich nicht zu Hause war sehr schön, auch wenn ich doch auch Heimweh hatte.

An Silvester gab es in Livingstone kaum Feuerwerk, Helene und ich haben nur ein einziges Feuerwerk gesehen.  In Sambia gehen an Silvester viele Menschen in die Kirche und beten in der Nacht für ein gutes neues Jahr, ansonsten wird nicht groß gefeiert.

Dann ging es für mich auch schon wieder zurück nach Lusaka. Aber während meines zweiten Aufenthalts dort konnte ich nicht viel unternehmen, da sich der Choleraausbruch  verschlimmert hatte und deshalb alle Märkte von der Regierung geschlossen wurden.

Kurz zum Hintergrund: In Lusaka war schon einige Wochen zuvor die Cholera ausgebrochen und es haben sich zu Beginn des neuen Jahres viele Menschen angesteckt. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, beschloss die Regierung, dass alle Märkte in Lusaka schließen müssten, bis sie gewisse Hygienestandards erfüllten. Auch verschiedene Läden in den Malls (große Shoppingcenter) wurden geschlossen, so auch ein paar Filialen einer Fast-Food-Kette, da bei dieser Choleraerreger gefunden wurden. Auch durften fast alle Kirchen in Lusaka keine Gottesdienste abhalten, Bars durften nur zu bestimmten Zeiten öffnen und die Schulferien wurden verlängert. Das hatte auch den Grund, dass in Sambia sehr viele Schüler in anderen Landesteilen in Internate gehen und die Gefahr bestand, dass sich so die Cholera über die Schüler hätte ausbreiten können. Außerdem wurden in den Zentren der Epidemie Massenimpfungen durchgeführt.

Eigentlich wollte ich am 9. Januar aus Lusaka wieder abreisen. Das Busticket sollte man möglichst immer mindestens einen Tag vorher kaufen. Am 7.1. gab es jedoch sehr viele Gerüchte, dass am nächsten Tag die Innenstadt gesperrt werden würde, um Chemikalien zur Cholerabekämpfung zu sprühen. Da das Gerücht sehr weit verbreitet und die Nachrichtenlage schlecht war, beschloss ich mein Ticket 2 Tage vor meiner Abreise zu kaufen, um auf Nummer sicher zu gehen. An der Intercity Bus Station wurden aber keine Bustickets für den übernächsten Tag verkauft, da sie nicht wussten, ob die Busse wegen der Cholera dann überhaupt noch fahren dürften. Also beschloss ich kurzfristig einen Tag früher abzureisen und konnte dann kurzfristig einen Tag in Kitwe bei dem Freundesfreund einer Freundin von Helene verbringen.

Letztlich wurden weder Chemikalien gesprüht, noch die Intercity Bus Station geschlossen, aber ich war trotzdem froh, dass ich auf Nummer sicher gegangen war. Von Lusaka aus fuhr ich dann nach Kitwe, wo ich einen Tag mit meinem Gastgeber verbrachte, was sehr witzig war. Danach besuchte ich Father Kolala, der mich ursprünglich eingeladen hatte, um mir Kitwe zu zeigen.

IMG-20180110-WA0000Besonders gut in Kitwe hat mir der „Stone-throwing-man“ gefallen, eine Statue zum Gedenken an die Unabhängigkeitsbewegung.

Dann ging es für mich nach einem sehr schönen und interessanten Urlaub zurück nach Solwezi, wo sich die Schwestern und meine Freunde sehr freuten mich wiederzusehen. Die restlichen Schulferien nutzte ich um Freunde zu besuchen, meinen Unterricht vorzubereiten und im Cheshire Homes bei den Vorbereitungen für das neue Schuljahr mitzuhelfen.

Die Arbeit:

Seit die Ferien um sind, bin ich wieder voll am Arbeiten. In den ersten Schultagen war ich dafür verantwortlich die Kinder in Empfang zu nehmen, die Schulgebühren einzusammeln und Quittungen für diese auszustellen und zu kontrollieren, dass die Kinder alles haben, was sie brauchen.

Englisch ist zwar die einzige Amtssprache in Sambia, aber dennoch sprechen, gerade auf dem Land, viele Leute kein Englisch. Daher kam es manchmal vor, dass die Eltern der Kinder kein Englisch konnten und mein Bemba ist immer noch sehr schlecht.  In solchen Fällen rief ich die IMG-20180201-WA0001Schwestern, die mir dann halfen.

Außerdem verbrachte ich sehr viel Zeit mit den Kindern, die sich erst einmal daran gewöhnen mussten wieder im Cheshire Homes zu sein, oder das erste Mal überhaupt zum Cheshire Homes kamen, da sie eingeschult wurden. In Sambia beginnt das neue Schuljahr nämlich im Januar. Gerade für die kleinen Kinder ist es am Anfang manchmal schwer sich einzugewöhnen, da hilft oft viel Beschäftigung und Ablenkung.

Auch habe ich wieder angefangen zu unterrichten. Ich gebe weiterhin Computerunterricht, aber ich unterrichte die Klassen 5-7 jetzt mit der Hilfe von Teacher Kaswaya, da Computerkenntnisse ab diesem Jahr relevant sind für die Prüfungen in der 7. Klasse.

Des Weiteren half ich gerade in der ersten beiden Wochen nach Schulbeginn sehr viel im Büro mit, da viele Briefe etc. abgetippt oder kopiert werden mussten.

Zurzeit singe ich viel mit den Kindern, z.B. brachte ich ihnen das Lied „Old McDonalds had a farm“ bei. Außerdem male ich sehr viel mit ihnen und spiele Fußball. Auch Seilspringen habe ich schon mit ihnen geübt und dann sollte ich auch hüpfen, ich habe es versucht, aber gut war ich nicht.

Manche der Kinder haben nach den Ferien versucht ihre Grenzen neu auszuloten oder vergessen, wie genau die Regeln sind. Eine Erinnerung an diese Regeln und beim weiteren Missachten der Regeln eine Konsequenz (kein Fernsehen am Abend), haben aber dazu geführt, dass die Kinder sich schnell wieder an die Regeln erinnert haben.

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Die Schüleru nd Schülerinnen im Cheshire Home Solwezi

Eine besondere Herausforderung für mich ist, dass viele der neuen Kinder, die jetzt in die erste Klasse gehen noch kein Englisch können, ein Kind spricht nur Kaonde, eines nur Lunda, eines nur Lamba und 2 nur Bemba, glücklicherweise kann ich aber in der Regel auf die älteren Kinder zum Dolmetschen zurückgreifen.

Lieben Gruß

Miriam

 

 

 

Ein Gedanke zu “Im neuen Jahr

  1. Hallo Miriam,
    es ist wieder eine Freude, Deine Berichte zu verfolgen.Schön, dass Du in den Ferien so viel durchs Land fahren konntest, bei soviel Erlebnissen . Spannend die Sache mit David Livingston. Wir können gut nachvollziehen, dass sich die Einheimischen von “ geistigen Okkupanten“ distanzieren. Kolonialgeschichte bleibt aktuell.
    Dramatisch offenbar die Choleraepedemie. Es wird hier ja immer mal wieder berichtet von solchen Dramen in südlichen Ländern, besonders in Afrika. Sauberes Wasser ist für alle auf dieser Erde unverzichtbar.
    Nun geht es wieder los mit der Arbeit. Deine Tätigkeiten gehen ja weit über das Pädagogische hinaus. Das hat schon Managementformat.
    Wir wünschen Dir weiter viel Freude und Erfolg und freuen uns, wenn Du wieder Neues berichtest.
    Liebe Grüsse aus dem zur Zeit eiskalten Norden . Hier kämpfen viele mit Grippe und Erkältung.
    Uschi und Uli

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